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© Bild: FREMD/Natascha Dolschenko

ORF-Stiftungsrat beschloss den Verkauf. Die denkmalgeschützte Halle 6 bleibt bestehen.

Noch lächeln „ORF Peter“, Arthur und Anna beim Eingang zu den Wiener Rosenhügelstudios von Plakaten. Schon bald wird die Ära des Fernsehsenders „wie wir“ hier zu Ende sein. Letzte Woche beschloss der ORF-Stiftungsrat den Verkauf der Studios. Wo Filmstars einst aus ein gingen, sollen Wohnungen entstehen.

„Schrecklich“, meint Gertraud Bernich. Sie wohnt in unmittelbarer Nähe. „Damit werden viele Anrainer keine Freude haben.“ „Ich fürchte, dass Unruhe herein kommt, es lauter wird und der Verkehr steigt“, meint auch Eva Kunisch.

© Bild: grafik/a20g02neu.pdf

Schon jetzt ist die Speisingerstraße viel befahren. Die künftigen Bewohner sollen von der „guten öffentlichen Anbindung“ profitieren, heißt es von der „Strauss & Partner Development GmbH“. Die Baugruppe kauft die Liegenschaft gemeinsam mit der „ Immovate Projektentwicklungs GmbH“ für 16,8 Millionen Euro. Geplant ist ein „nachhaltiges Immobilienprojekt, in dem eine Symbiose aus Wohnen, Nahversorgung und Kultur angestrebt wird“, heiß es von Strauss & Partner. Neben Wohnungen der „gehobenen Mittelklasse“ plant REWE die Errichtung eines Supermarktes. Genaueres steht derzeit noch nicht fest. Der Planungsprozess soll voraussichtlich zwei Jahre dauern und in enger Abstimmung mit Stadt und Bezirk passieren.

Filmmusik

Sicher ist, dass die denkmalgeschützte Halle 6 bestehen bleibt. Die „Vienna Symphonic Library“, die rund 40.000 Komponisten, darunter zahlreiche Hollywood-Komponisten, zu ihren Kunden zählt, wird die Synchronhalle revitalisieren. Wiensoll damit zu einem „einzigartigen Produktionsstandort für internationale Filmmusik-Aufnahmen“ werden, heißt es vom Unternehmen. Mit einbezogen soll dabei auch das ORF-Radiosymphonieorchester werden.

 

Zwischen 1919 und 1923 wurden die Rosenhügelstudios von der „Vita-Film“ erbaut. Es sollten die größten und modernsten Studios Österreichs nach amerikanischem Vorbild werden. Der erste Film entstand schon schon ein Jahr zuvor, 1922: der Monumentalepos „Samson und Delila“ mit 400 Statisten.

Maskerade, Paula Wessely, Adolf Wohlbrück

© Bild: Filmarchiv Austria

Später feierte hier Paula Wessely – Ehefrau von Attila Hörbiger und Mutter von Schauspielerin Christiane Hörbiger – ihren Durchbruch als Leinwand-Star. An der Seite von Adolf Wohlbrück stand sie 1934 beim ersten großen Tonfilm in den Studios vor der Kamera: Maskerade.

Filmprogramm Sissi, die junge Kaiserin

© Bild: Repro: Franz Eder1936 wurden die Rosenhügelstudios „arisiert“, der frühere Eigentümer, der Wiener Filmproduzent Oskar Pilzer, enteignet, weil er Jude war. Nach dem zweiten Weltkrieg gelangten die Studios in den Besitz der Republik. Zwischen 1960 und 1980 erwarb der ORF diese. Der „Kaisermühlen-Blues“ ist einer seiner bekanntesten Produktionen, die hier entstand.

Heute sind die Studios für den ORF nicht mehr betriebsnotwendig. Die „Barbara Karlich Show“ ist die einzige hier verbliebene ORF-Produktion. Verpachtet sind die Studios ohnehin schon länger. Anfang der 90er Jahre wurde das 32.000 Quadratmeter große Gelände mit Hilfe von Bund, Stadt Wien und ORFgeneralsaniert. 1994 wurde das Gelände an die „Filmstadt-Wien Studiogesellschaft m.b.H“ unter der Führung des Wiener Produzenten Kurt Mrkvicka verpachtet. Bis 2014 läuft dieser Vertrag. Die Übergabe an den Käufer soll danach erfolgen.

Wie es für die Filmstadt Wien weiter geht, wird derzeit noch verhandelt, sagt Produzent Oliver Auspitz, der aber die Bedeutung der Rosenhügelstudioshervorhebt: „Jeder größere österreichische Film mit Studio-Anteilen kommt hier her.“

 

Kurier, 27.06.2013

Link: https://kurier.at/chronik/wien/rosenhuegel-studios-werden-zu-wohnungen/17.042.395

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